Verkommt der Bio-Markt zum Ramschladen?
Ich bin ja eine große Bio-Freundin. Weniger der Umwelt oder der Gesundheit willen, das schon auch, aber mehr der Tiere willen, die ihr Leben lassen für meinen Genuß. Ich mag kein Schwein, das sich kaum umdrehen konnte in einem stinkenden Stall, in dem nicht einmal ich mit meinen nur 1,60 Meter aufrecht stehen kann (hier im Landkreis). Ich mag kein Rind, das sein kurzes Leben angebunden und in eine Richtung schauend verbringen muß (hier im Landkreis). Und schon gar kein Huhn aus den bekannten Strafanstalten. Aber die Gleichung "bio = gut" stimmt auch nicht unbedingt. Leider.
In den Supermärkten und Discountern finden sich zunehmend Bio-Produkte. Schön. Einerseits. Andererseits kauft man da immer häufiger Schauderhaftes für viel Geld. Ich habe heute zum Beispiel zwei Fleisch-/Wurst-Produkte entdeckt, ganz neu, sahen gut aus, die waren so fürchterlich, da ist heute abend viel Geld in die Mülltonne gewandert. Unbeschreiblich! Ich hätte eigentlich gewarnt sein müssen. Es war viel Pute drin - und das bedeutet meist: wenig Geschmack. So war´s dann auch. In dem speziellen Fall waren die Sachen aber nicht nur geschmacklos, sondern gruselig. Ich mußte direkt nachsehen, ob das Verfallsdatum nicht etwa... War es nicht.
Ich werde den Verdacht nicht los, daß unter dem Bio-Siegel zunehmend Müll verkauft wird, der zwar nicht aus Quälzucht stammt, aber so lieblos zusammengemantscht ist, daß klar wird, daß da jemand nur mit schlechter Ware noch mehr Geld machen will. Es ist zwar ein ungeheuerer Fortschritt, daß es Bio-Ware nicht mehr nur in diesen vor Dinkel strotzenden Bio-Lädchen zu kaufen gibt. Aber wenn der Preis dermaßen geschmacklose Produkte sind, dann sieht das nach einem Ausverkauf des Bio-Siegels aus. Schlimm nur, daß das all denen Vorschub leistet, die immer schon wußten, daß "das Bio-Zeug auch nicht besser" ist. Aber die haben sich ja auch noch nie an solchen Bildern gestört:
Foto: www.animals-angels.de


Werte Frau Eichl,
Niederbayern ist nun nicht unbedingt die Gegend, die ich häufig mit meiner Anwesenheit beglücke, doch da wir sozusagen Nachbarn (TypePad) sind im weltweiten Netz, bin ich bei Ihnen gelandet.
Gestern dachte ich noch: Nein, nicht, keine Katzen- oder Hundeseite, dafür sind andere zuständig. Aber nun haben meine Neugier (neudeutsch für auszugleichendes Wissensdefizit) und damit verbunden ein etwas genaueres Hinschauen festgestellt, daß Sie auch noch andere Themen behandeln als friedliebende Lämmer in Hundefell.
Weshalb ich schreibe: Nicht unbedingt alleine deshalb, da ich heftig nicken möchte zu dem, das Sie hier geäußert haben, sondern da es ja kein regionalspezifisches Problem ist — bzw. eben doch. Es geht nicht nur alleine um diese systematischen Verdummungen zur Schaffung immer höherer Renditen; die die Menschen allerdings gerne mit sich machen lassen, weil es in oder en vogue ist oder weil die Nachbarn es auch tun (wie sie auch bauen müssen, weil's der Nachbar getan hat) und außerdem keine Lust verspüren, ihre organische Festplatte einzuschalten. Sondern ich möchte erweitern: Einen wesentlichen, zumindest (mit-)entscheidenden Aspekt des ökologischen, biodynamischen Und-so-weiter-Hintergrunds haben Sie in Ihrer Argumentation nämlich leicht vernachlässigt. Zum einen möchten die Produkte aus der Region kommen, weil damit die Erzeuger ein bißchen was verdienen und nicht die weltweit größten Hersteller und ihre angeschlossenen Handelsorganisationen noch reicher werden, als sie ohnehin bereits sind. (Das muß ich Ihnen als attac-Sympathisantin wohl kaum näher erläutern.) Und zum anderen trüge das erheblich zur Schadstoffreduktion bei. Aber was macht die Menschheit in Schleswig-Holstein oder Niederbayern? Sie kauft den (von Ihnen erwähnten) Dreck, aus Chile oder China oder sonstwoher. Wir tun was für die gesunde Umwelt und unser Innenleben. Aber billig muß es sein.
Es ist auch hier so wie mit den anderen Billigheimern, beispielsweise dem Unterhaltungselektroniksupermarkt: Die sind oftmals keineswegs günstiger. Vom «Bedienkomfort» mal abgesehen. Wir kaufen in diesen Großverkaufslagern — die man ja notgedrungen aufsuchen muß, wenn man op'n Dörp lebt, die Stadt so weit weg ist — keine Bio-Produkte. Doch glücklicherweise gibt es hier überall diese sogenannten Hofläden, in denen überdies der Dorftratsch kostenlos ist. Und ich gehe doch davon aus, daß es so etwas in Ihrer Gegend auch gibt (auch die hiesige nähere Kleinstadt bietet hochwertigere Nahrung aus der Region). Ich kann es nicht beurteilen, da ich das letzte Mal vor rund zwanzig Jahren in Weiden und Umgebung tourte.
Ein ertragreichen Tag wünscht
Schmollsenior
P. S. Ich würde Ihren Beitrag samt Kommentar gerne bei uns hineinsetzen, auf daß zu einer klein wenig höheren Verbreitung der Thematik beigetragen wird.
Kommentiert von:Schmollsenior | 17. März 2008 um 06:27 Uhr