Da möchte man den neuen Wagen doch gleich wieder hergeben: Diesel scheint weitaus umweltschädlicher als bisher angenommen. Nein, schlimmer noch: Diesel trägt offenbar mehr als Benzin dazu bei, den eh schon Hungernden die Portionen auf den Tellern nochmal zu verkleinern. Der Diesel war keine bewußte Entscheidung, eher so ein Nebeneffekt. Denn rein wirtschaftlich lohnt sich Dieselfahren längst nicht mehr. Aber daß es am Ende auch noch der Umwelt mehr schadet, als nützt... Wenn ich das mal bloß vor dem Kauf gewußt hätte.
Daß die vermeintlichen Bio-Treibstoffe ein ganz großer Irrtum sind, ein grüner Irrweg sozusagen, wird ja immer deutlicher. Die weltweite Ackerfläche läßt sich schließlich nicht unbegrenzt erweitern. Und wenn auf immer größeren Flächen Pflanzen für Bio-Sprit angebaut werden, kann man sich ohne höhere Mathematik ausrechnen, daß die Nahrungspflanzen auf den verbliebenen Flächen immer teurer werden. Eigentlich eine Entwicklung, die so absurd ist, daß man nicht glauben kann, wie es so weit kommen konnte. Inzwischen rudert die Bundesregierung, die den Bio-Sprit groß fördern wollte, wieder zurück. Aber nicht etwa, weil sie die oben genannte Gleichung nachgerechnet hat, sondern weil die Automobil-Lobby aufgeschrien hat. Denn viele ältere Wagen vertragen angeblich die geplante höhere Beimischung von Bio-Sprit im Benzin nicht. Die leeren Mägen tausende Kilometer weiter wären nicht so tragisch gewesen, aber ein acht Jahre alter Opel, der wegen zuviel Bio-Sprit im Tank den Geist aufgibt, das ist ein Argument.
Ich will kein Sojaöl in meinem Diesel!
Aber jetzt kommt´s: Die Minster Sigmar Gabriel (Umwelt) und Horst Seehofer (Landwirtschaft) sind sich einig, bei Diesel weiterhin die Beimischung von Bio-Sprit deutlich erhöhen zu wollen. Laut Greenpeace sind heute schon 20 Prozent des Biosprit-Anteils im Diesel Sojaöl. Die deutsche Rapsernte, die sich kaum mehr steigern lasse, reiche jetzt schon nicht mehr aus, um diesen Bedarf zu decken. Diesel sei somit weit umweltschädlicher als angenommen. Denn für den drastisch zunehmenden Anbau von Sojabohnen würden in Südamerika große Flächen gerodet. "Die Bundesregierung zwingt deutsche Autofahrer, den Urwald in Argentinien zu zerstören", sagt der Greenpeace-Agrarexperte Alexander Hissting (Greenpeace-Nachrichten 2/08).
"Wenn die (geplante, Anm. d. Verf.) 15-Prozent-Quote (der Beimischung von Bio-Sprit) erreicht werden soll, müßten nach Berechnungen von Greenpeace die Sojaplantagen um zusätzlich 80.000 Quadratkilometer wachsen. Das entspräche etwa der Fläche von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. In England fanden Greenpeace-Rechercheure im Diesel neben Sojaöl auch Palmöl aus Südostasien, wo für Palmölplantagen ebenfalls großflächig Urwälder zerstört werden. Die Folgen dieser Entwicklung sind dramatisch: Die Rodungen verstärken den Klimawandel, denn mit den Urwäldern gehen gewaltige Kohlenstoffspeicher verloren. Um dies wettzumachen, müßte auf den gerodeten Flächen jahrhundertelang Agrosprit produziert werden." (Greenpeace-Nachrichten 2/08)
Tempolimit: Ich kann´s noch nicht, aber ich übe
Nun bleibt mir nur eins: Mit Greenpeace die Abschaffung der Beimischungsquote von Bio-Sprit zu fordern. Unglaublich. Da wäre ich in puncto Umwelt mit der Spritschleuder, die ich gerade loszuwerden versuche, auch nicht wesentlich schlechter gefahren. Als ausgleichende Sofortmaßnahme bleibt mir nur eins: Ein Tempolimit vorwegzunehmen, zu dem sich hierzulande nicht einmal Rot-Grün durchringen konnte. Aber es ist eben sehr viel leichter, langsam zu fahren, wenn alle es tun (müssen). Ich bin mir noch nicht sicher, ob es mir bei meiner nächsten Autobahnfahrt gelingt. Ich übe aber...
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